| U-Bahnhof Großhadern Die U - Bahn- Architektur wird hier zum kulturellen Manifest.
Die Bahnsteighalle dieser Station ist ein erstaunliches Kunstwerk aus einem Guß. Die gerade Bahnsteighalle, deren Decke von mächtigen, gelb verkleideten Säulen getragen wird, hat zwei besondere,sich steigernde Attraktionen. Erstens sind die beiden Längswände vom Schotterbett der Gleise über die Decke hinweg zu einem großen Bild vereinigt. Der Betrachter findet sich inmitten eines Schnittbildes der geologischen Schichten, die, künstlerisch übersetzt, dargestellt wurden: ein ungewöhnlicher, sonst nur Fachleuten vertrauter Blick in die Erde, der nun allen Besuchern dargeboten wird. Der Blick auf die künstlerisch genau gestaltete Erdrinde erweckt den Eindruck, als ob der U - Bahnhof gläserne Wände hätte. Diese Idee wurde so intelligent umgesetzt, daß es eine Freude ist. Zu diesem Wand-Deckenbild tritt als technisches Ereignis die Gestaltung der Reflektorenschirme. Sie hängen unter der bemalten Decke und erlauben Durchblicke. Durch die wohl abgewogene Wellenbewegung der silbrigen Reflektoren entsteht ein dynamischer, lichtschimmernder Schirm über dem Bahnsteig. Zum Eindruck technischer Präzision und Vielfalt trägt die komplett mittig zwischen den Säulen angeordnete Beleuchtung bei. Gerade diese lichttechnische Demonstration - man kann den komplizierten, einfallsreichen Deckenschirm sehr wohl als Teil einer riesigen Leuchte verstehen - und die das Erdinnere interpretierende Wandmalerei - erreichen eine Harmonie wie nur wenige gestaltete Räume Münchens. Was tun wir uns heute in Hochbauten mit Wandmalerei so schwer. Selbst in Sakralbauten der vergangenen dreißig Jahren ist kaum Gültiges zu finden. Doch auf einmal, in einer U - Bahn, irgendwo im Westen der Großstadt, entsteht etwas ganz Lapidares, das zum Schauen und zum Nachdenken einlädt. Prof. Dr. Ing. Christoph Hackelsberger Literatur: U- Bahn Architektur in München Prestel Verlag München New York |